ABEL SOLARES machte Klaus Seewald mit den Grundlagen der Theater Anthropologie vertraut und vermittelte ihm wesentliche Begrifflichkeiten und Ansätze zu Training, Improvisation und Ästhetik. Durch ihn erlangte er Einblicke in das japanische Theater Noh, Kabuki und Nihon Buyo. Viele seiner Prinzipien begleiten ihn bis heute bei seiner Arbeit im Theater.

1996 begeisterte ihn die Arbeit von PHILLIP B. ZARRILLI. Seine Arbeit basiert auf praktischem und theoretischem Wissen um Kalarippayattu, einer südindischen Martial / Healing Art. Er schafft in seiner Arbeit den Brückenschlag von der Kampfkunst zum Theater und stattet Schauspieler / Tänzer so mit einem sinnvollen Werkzeug für ihre Kunst aus, in bezug auf die Flexibilität des Körpers, Konzentration, Fokus, bodymind Training, Umgang mit der eigenen Energie und deren Projektion in Raum / Zeit. Das Training ist nicht Teil einer bestimmten Ästhetik sonderen “preperformativ” (Phillip B. Zarrilli).
Ein Ziel des Kalarippayattu ist ekagrata was mit “the body becomes all eyes” übersetzt werden kann. Ein Zustand von Wachheit und Entschlossenheit, der am besten mit dem intuitiven, instinktiven Zustand eines Tieres in seiner natürlichen Umgebung, wo es auf Stimuli der Umgebung reagiert/reagieren muss. Eine schöne Metapher für den Idealzustand des Performers auf der Bühne, oder?

Attention to breath in the body, and the bodymind in the breath can lead the practitioner to an intuitive awareness of “thought” as it takes shape in action-a process Artaud described as the development of an “affective musculature which corresponds to the physical locationization of feelings”.
Phillip Zarrilli

Klaus Seewald fand viele der Grundlagen aus der Zeit mit Abel Solares in dieser Arbeit wieder und arbeitet seit 1996 selbst intensiv mit Kalarippayattu in seinem Training, als Vorbereitung auf die Arbeit (allein und vor allem mit anderen) bzw. als Teil seiner Forschungsarbeit, und seiner eigenen Lehrtätigkeit.

Während seinem Indienaufenthalt 1998 hatte Klaus Seewald zudem noch die Möglichkeit bei KALAMANDALAM BALASUBRAHMANIAM einen praktischen Einblick in die Kunst des Kathakali zu bekommen. Es war für ihn interessant zu sehen, wie sich dieser Tanz des Kalari-Trainings bedient. Die ursprünglichen Tänzer kamen aus der Nayar-, der Krieger-Kaste, und waren deshalb in Kalarippayattu ausgebildet. Manche Übungen wurden im Laufe der Jahrhunderte adaptiert, aber im wesentlichen ist die Herkunft des Trainings (inklusive der Massage) unverkennbar. Er bekam durch diese Arbeit viele zusätzliche Impulse für die Gestaltung seines persönlichen Trainings.
Literatur
Phillip B. Zarrilli, The Kathakali Complex.

Parallel zu dieser Arbeit beeinflussten Workshops bei Lehrern der NYU (SHARON FOGARTY, CATHERINE CORAY, STEPHEN WANGH) zu den Themen Improvisation seine Sichtweisen maßgeblich und er begann in der Verschiedenheit der Ansätze von Phillip Zarrilli und etwa Catherine Coray zugleich das gemeinsame Ziel zu sehen, das beide Methoden verfolgen: Den Performer in einen Zustand der Wachheit zu versetzen und der eigenen Fähigkeit zu vertrauen, den eigenen Impulsen zu folgen.
Es gab ihm die Sicherheit auf die Bühne zu gehen und sich sicher zu sein, dass etwas da sein wird, mit dem er spielen kann.

1999 trat das Butoh des MOE YAMAMOTO in sein (Performance)Leben. Als konsequente Arbeit mit “Bildern” und “Vorstellungen” bereicherte es seinen Zugang zur Performancekunst um eine weitere Facette.


Ausbildung im Überblick:

SCHAUSPIEL – Abel Solares (Teatro Vivo, Guatemala, 1995-2000), Phillip Zarrilli (Univ. of Exeter, GB, 1996-heute)

STIMMBILDUNG/GESANG – Andrea Fultz (D,2001/2002), Monika Schmidt (A,1998/1999)

ARBEIT NACH GROTOWSKI – Sharon Fogarty (Mabou Mines,USA, 1997/1998), Steve Wangh (NYU,USA, 1997, 2004), Walter Pfaff (Parate Labor,F/CH)

IMPROVISATION – Catherine Coray (NYU,USA, 1998/2001/2002)

Asiatische Meditations- & Kampfkünste im Training des zeitgenössischen Schauspielers an Hand von:
KALARIPPAYATTU, YOGA – Phillip B. Zarrilli (Univ. of Exeter, GB, 1996-heute), CVN Kalari (1998, 2006, 2007, 2009, 2011)
TAI CHI – Phillip Zarrilli, Abel Solares (1995-heute)

BUTOH – Moe Yamamoto (Kanazawa Butoh Kan, Japan, 1999-2003), Mitsutaka Ishii (Japan, 2004), Yumiko Yohioka (Japan/Deutschland, 2005)

KATHAKALI – Kalamandalam Balasubrahmaniam (Margi Kathakali School, Indien, 1998)

CANDOMBLE – Augusto Omulu (ISTA, Brasilien, 2000)

CONTEMPORARY DANCE – Mona May (A, 2003-2004)